Sapere aude

Sapere aude ist ein lateinisches Sprichwort und bedeutet Wage es, weise zu sein! Meist wird es in der Interpretation Immanuel Kants zitiert, der es 1784 zum Leitspruch der Aufklärung erklärte: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Sind (Spiel)Regeln im politischen Alltag noch zeitgemäß?

Nicht nur im Bereich der „großen“ Politik ist festzustellen, dass Regeln oft nur noch als lästige Einschränkung scheinbar unbegrenzter Kreativität betrachtet werden. Wer die Einhaltung dieser Regeln und Gesetze einfordert wird schnell als Paragraphenreiter wenn nicht gar als Querulant beschimpft. Auch im Mikrokosmos Kommunalpolitik scheint man, wie aktuell in unserer Stadt beobachtet werden kann, diesem Zeitgeist verfallen zu sein. Dabei sind gerade dort, wo Ausschüsse und Stadtverordnetenversammlungen mit ehrenamtlich tätigen Laien besetzt sind, Spielregeln als Schutz des Schwächeren vor dem Stärkeren von vitaler Wichtigkeit und daher unverzichtbar.

Gerade das „System Stadtverordnetenversammlung“, eingebettet in gesetzliche Regeln und Verordnungen und verstanden als integraler Bestandteil und Fundament der kommunalen Selbstverwaltung, lebt maßgeblich von der Integrität des politischen Handelns seiner Protagonisten. Glaubwürdigkeit in diesem Zusammenhang leitet sich nicht zuletzt aus der Durchschaubarkeit und Konsistenz der dem politischen Handeln zu Grunde liegenden Spielregeln und deren konsequenten Anwendung ab.

Gibt man diese Spielregeln der Beliebigkeit preis, sei es, dass man sie nicht beachtet oder nicht anwendet oder sei es, dass man sie einfach nicht mehr hinterfragt, dann kann die Legitimation der Handelnden bzw. die Legitimation der von den Handelnden gefassten Beschlüsse schnell verloren gehen. Wenn Regeln nicht (mehr) beachtet werden, ist die Willkür nicht (mehr) weit. Wenn nur noch der Stärkere gewinnen kann, dann nähern wir uns Zuständen, die sicherlich nicht erstrebenswert sind.

Das mag vielleicht etwas zu „dick aufgetragen“ sein. Aber gerade die unscheinbaren kleinen Risse sind oft bereits erste Indizien für weit größere Risse bzw. Probleme im Hintergrund. Und bei einem Blick auf die politische Landschaft in Babenhausen einschließlich seiner Protagonisten, findet der Verdacht seine Bestätigung.

Sapere aude!

Sapere aude und der Fischer

„Wage es weise zu sein“. Der Ausspruch des Römischen Dichters Horaz ist mittlerweile mehr als 2000 Jahren alt und auch Immanuel Kant griff 1784 diesen Gedanken in seiner Schrift „Was ist Aufklärung“ auf indem er den notwendigen Mut einforderte, sich des (seines) eigenen Verstandes zu bedienen.

Bei einem genaueren Blick auf unsere heutige Gesellschaft könnte der Eindruck entstehen, einem nicht unwesentlichen Teil der Menschen sei genau dieser Mut abhanden gekommen. Eigenes Wissen, eigene Erfahrung, eigenes Können und der eigene Verstand werden, so scheint es, für die Bewertung von Sachverhalten oder Behauptungen immer weniger oft eingesetzt. Wissen, Können und Erfahrung scheinen an Wert verloren zu haben.

Das führt uns zu einer kleinen, wenn auch völlig frei erfundenen Geschichte:

Ein alter, sehr! erfahrener Fischer ist gerade dabei einen kleinen Fisch, der sich als Beifang in seinem Fischernetz verfangen hatte zurück ins Wasser zu werfen, als er vom Ufer eine laute und scharfe Stimme vernimmt: „Werfen Sie den Fisch auf keinen Fall zurück ins Wasser, da er sonst sonst ertrinken könnte!“. Irritiert wendet sich der Fischer dem Rufenden am Ufer zu und erkennt eine weiß gekleidete Person die ihm zu verstehen gibt, dass sie von Amts wegen hier sei und ihn daher im Interesse des Fisches auffordere, seiner Anweisung unbedingt Folge zu leisten.

Der sehr erfahrene Fischer, beeindruckt von dieser vermeintlichen Autorität, weiß entgegen aller eigener langjähriger Erfahrungen nicht so recht, wie er sich verhalten soll gibt aber schließlich nach und verzichtet darauf, den Fisch zurück ins Wasser zu werfen. „Die werden schon wissen was richtig ist“ sagt er sich und bemerkt dabei schon gar nicht mehr, dass er den mittlerweile toten Fisch immer noch in seiner Hand hält.

Als sich wenig später herausstellt, dass die in weiß gekleidete Person am Ufer, entgegen seiner Vermutung, kein amtlich bestellter Tierarzt sondern „nur“ ein Malermeister in seiner Arbeitskleidung war der sich einen schlechten Scherz erlaubt hatte, war es für den kleinen Fisch längst zu spät. Der guten Laune des Fischers indes tat dies keinen Abbruch, hatte er doch gerade einen Fisch vor dem Ertrinken bewahrt.

Sapere Aude!